GALERIE SCHIPPER im INTERDRUCK
Presse: Kreuzer - Das Leipziger Stadtmagazin :: xx. 06. 2000
Extrem Erfrischend
Die Interdruck-Galeristen Frank Patitz und Bernhard Schipper zeigen Arbeiten der Autodidaktin Maya Franke


Selbst Freunde wissen nicht, dass sie das macht." Gemeint ist damit nicht etwa Maya Frankes Engagement als Modell oder Barfrau, sondern als Künstlerin. Frank Patitz, der zusammen mit Bernhard Schipper die Galerie Interdruck betreibt, legte zwar schon zusammen mit Maya auf von ihren Schuhkartons voller tagebuchartiger Grafiken ahnte er aber nichts. Die entdeckte er durch Zufall. "Extrem erfrischend", "kurzweiliger und klarer Gestus", "sensible Grafik" - die beiden jungen Galeristen schwärmen von ihrer Neuentdeckung und stellen deren Arbeiten in ihrer erst im Februar 2000 eröffneten Galerie aus. Einen Katalog würden sie der 23jährigen Autodidaktin auch gern machen. Allein, es fehlt das Geld, nicht die Begeisterung.

Wem es als Besucher ähnlich ergeht, der könnte bei astronomisch niedrigen Preisen um die 200 DM glatt ein "Superschnäppchen" machen. "Eigentlich gehen wir davon aus, dass man am Anfang nichts verkauft, sonst würden wir uns die Taschen voll lügen", meint Bernhard Schipper nach den ersten beiden Ausstellungen mit Pawel Zareba und Janusz Baldyga. Er setzt mit wachsender Sammlung, kontinuierlichem Ausstellungsbetrieb und respektvollem Umgang zwischen Künstler, Galerist und Publikum auf steigende Anerkennung und Verkäufe. Von jedem ausstellenden Künstler bittet sich das Galeristenduo eine Arbeit aus. Mit den Expositionen werden so die hauseigene Sammlung und die gemeinsame Basis größer. Schipper, der kurz vor dem Diplom an der Hochschule für Grafik und Buchkunst steht, und Patitz, Ex-HGB-Student, haben bei Gruppenausstellungen ihre spannungsvolle Zusammenarbeit erprobt und für partnerschaftsfähig befunden. Der gemeinsame Betrieb einer Galerie ersc hien da als möglicher Raum für die Lust, Künstler zu entdecken, über Hängungen zu streiten und mit Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Interessierte genießen persönliche Betreuung, denn die Galerie öffnet nach der Vernissage ausschließlich auf telefonische Anfrage. Für die beiden Künstler und Galeristen geht mit wenigen, aber neugierigen Gästen ihr Konzept auf. "Es geht um das Sehenwollen" - in den Arbeiten der ausgestellten Künstler ebenso wie bei den Projekten. Irgendwann aber, meint Frank Patitz, verliert die Projektidee ihre Spannung, wird dann wohl auslaufen und verstärkten Künstler-Ausstellungen weichen. Geplant ist pro Jahr eine "größere Sache" - in diesem Herbst ein outdoor event mit Graffiti und Musik. Das dürfte den Bekanntheitsgrad der Adresse in der Ostvorstadt erhöhen - ein Standort, der eigentlich nicht weiter vom Zentrum entfernt ist als andere Galerien. Jeden ersten Freitag im Monat spielt die Musik in der Göschenstraße. Nach dem Kunstgenuss kommt das Cluberlebnis.

Zur Ausstellungseröffnung von Maya Franke gibts vielleicht sogar Live-Musik, den nebenan sitzt die Reggae-Agentur Orange Music. Wie die Ausstellung laufen wird, bleibt für alle Beteiligten spannend: "Die Zeit wird zeigen, ob es für uns und für die Künstler, die wir finden, etwas wird."

Annette Ullrich

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